Den Wert von einem Zelt kann man darin gut bemessen, was man von dem Zelt erwartet. Ein klassisches Festivalwochenende wird man aus Angst vor Beschädigungen an der Ausrüstung in der Regel mit äußerst günstigen Angeboten vom Discounter erleben. Wenn die Festivalgemeinde auf Abstand ist und man sich gesittet auf Campingplätzen aufhält, wird man schon mal tiefer in die Tasche greifen.

Die Qualität muss stimmen, aber abhängig vom gewählten Transportmittel ist das Packmaß oder das Gewicht nebensächlich. Man landet recht schnell bei der Zeltwahl im Angebot der Tunnelzelte, da man dort bereits schon viel Raum für wenig Eigengewicht bekommt. Beschäftigt man sich jedoch mal intensiv mit den Zeltangeboten der Outdoorshops, so ist die Kluft zwischen dem leichtesten Tunnelzelt mit Stehhöhe und dem leichtesten Trekkingzelt mit Sitzhöhe schon sehr ausgeprägt. Vor einigen Jahren gab es mit dem Terra Nova Laser Space 5 ein Zelt für 5 Personen, in dem man sich zwischen den Kabinen stehend aufhalten kann. Das Gewicht betrug jedoch schon 5,39 kg und wenn man nur mit zwei Fahrrädern auf Tour war, so hatte man zugleich auch noch ein kleines Transportproblem.

Ein Tunnelzelt welches ein lang gehegten Wunsch erfüllt, wurde nun auf der vergangenen OutDoor in Friedrichshafen vorgestellt. Motorradreisende hatten bis dato bei Vaude das Vaude Opera 2P für sich entdecken können, nun gibt es mit dem Chapel 3P ein größeres und zugleich noch leichteres Zelt im Sortiment. Über das Vaude Chapel 3P hatten wir bereits im vergangenen Jahr einen Artikel veröffentlicht, nun gehen wir ins Detail und präsentieren Euch ausführlich das Zelt mit seinen Eigenschaften.

Vaude Chapel 3P

Wir selber interpretieren die Zielgruppe für das Zelt als Personen, die ein unglaublich großes Raumgefühl im Zelt erwarten, dies jedoch im Verhältnis zu einem „verschwindend geringen Gewicht“ bekommen wollen. Den Komfort einer Stehhöhe mag man nicht missen und es soll für Radwanderungen oder Kanutouren nicht zu groß im Packmaß sein bzw. sich gut auf dem Gepäckträger eines Rades befestigen lassen. Wälzt man nun die Kataloge der Hersteller, so wird es einen vielleicht überraschen, dass es kaum ein Tunnelzelt gibt, was zum einen sehr leicht und zum anderen auch eine komfortable Stehhöhe bietet. Ist die Vorgabe dann noch gesetzt, dass das Zelt auch noch sehr leicht sein soll, dann sind wir gut und gerne bei einigen Kilogramm und verlassen den Bereich wo es sich noch auf einem Fahrrad transportieren lässt.

Mit unter 4kg wäre es zwar genauso leicht wie das Wechsel Outpost 3 Zero-G, bietet jedoch in der Apsis eine 4 qm² große Fläche an, in der man bei einer Körpergröße von 1,70m  noch aufrecht stehen kann. Stellvertretend für viele andere Tunnelzelte in dem Gewichtsbereich wäre die Apsis beim Outpost deutlich kleiner und mit 1,20m auch klar unterlegen. Vaude nutzt dabei eine kleine Raffinesse um das Gewicht trotzdem noch gering zu halten, denn neben hochwertigen Materialien wirkt das Zelt wie eine Mischung aus Hauszelt (Apsis) und Trekkingzelt. Die eigentliche Schlafkabine ist mit einer maximal Höhe von 1,20m zwar immerhin noch recht hoch, könnte aber abgetrennt betrachtet von der Apsis auch gut und gerne die Schlafkabine eines komfortablen Trekkingzelts sein. Durch diese Mischung hat man einerseits eine Schlafkabine wie man es von einer Vielzahl anderer Tourenzelte her kennt, andererseits bekommt man hier auch auf Radreisen den Komfort geboten, den man sonst nur beim Camping mit dem Auto als Transportmittel kennt.

Personen: 2
Gewicht: 3500 g
Packmaß: 55 x 23 cm
Material Aussenzelt: 100% Polyamide 20D Ripstop both sides silicone coated 3000 mm
Material Innenzelt: 100% Polyester 15D Micro Ripstop
Material Boden: 100% Polyamide 40D 240T Ripstop, laminated 10.000 mm
Gestänge: Al 7001 T6 11/10,2 mm

Gesamtgewicht: 3490,00 g

Aufbau

Der Aufbau ist auch hier wieder eine Mischung aus diversen Modelle. Beim Schlafbereich muss man lediglich zwei Stangen ineinander stecken und diese durch den jeweiligen Kanal gleiten lassen. Ob es nun produktionsbedingt ist oder ob dies Absicht war, aber die letzten Elemente des Gestänge sind bei einem Element in einem anderen Metallfarbton und dadurch gut erkennbar. Ansonsten weiß man auch direkt beim nebeneinander legen, welche Stange in den hinteren und welche Stange in den vorderen Gestängekanal geschoben werden muss.

Die Apsis ist wiederum etwas komplizierter im Vergleich zum normalen Gestängekanal, jedoch nicht bei weitem nicht so komlipiziert wie beim Aufbau eines Hauszelt. Zwei kürzere Gestängeglieder werden als Bogen in die später seitlich stehenden Elemente gesteckt. Bei diesem Punkt wäre es hilfreich, wenn man das Zelt nicht alleine aufbauen müsste. Eine dritte Hand die die seitlichen Elemente festhält und hilft die beiden Stangen in die seitlichen Elemente einzufädeln wäre sehr hilfreich. Dies nicht nur beim Auf- sondern vorallem auch beim Abbau.

Steht nun das Gerüst aus seitlichen Elementen die durch die beiden Stangen eine Bogenform erhalten haben, dann kann man wie man es schon von mehreren Vaude Zelte gewohnt ist das Außenzelt einfach an das Gestänge clippen. Der erste Aufbau ging bereits im Alleingang sehr schnell, mit etwas Übung sollte man das Zelt binnen weniger Minuten aufgebaut bekommen.

Das Innenzelt kann beim Auf- bzw. Abbau eingehangen bleiben, dies erleichtert und beschleunigt natürlich auch den Aufbau beim Erreichen Ziels nach einer anstrengenden Etappe. Die Aufhängungen von der Schlafkabine machen beim Chapel 3P einen sehr robusten Eindruck. Sie sind deutlich besser vernäht und verteilen den Zug des Innenzelts auf einer breiteren Fläche am Außenzelt. Auch wenn so eine Aufhängung nahezu jedes Tunnelzelt für sein Innenzelt besitzt ist der Knebelzug nicht immer auf breiter Fläche mit dem Außenzelt verbunden sondern meist nur auf einem schmalen Streifen nicht wesentlich größer als der eigentliche Gummizug.

Belüftung

Die Belüftung selber konnten wir bislang noch nicht in Aktion testen, wohl aber am Zelt entdecken. Am Ende der Schlafkabine befindet sich ein mit einem Drahtbügel bereits auf Abstand gespanntes, regensicheres Fenster mit Moskitonetz am Außenzelt. Nach hinten wäre dies die einzige, aber durch die Größe bereits sehr große Öffnung für einen Luftzug.

Durch den Abstand zwischen eingehangenen Innenzelt und Außenzelt kann dieser Lufzug durch das Zelt wehen. Am Innenzelt ist auf gleicher Höhe ebenfalls ein Moskitonetz eingearbeitet. Der Stoff vom Innenzelt ist aber auch so schon sehr luftig. Wie man auf nachfolgenden Foto erkennen kann gibt es hier keine Möglichkeit das Moskitonetz zu verschließen.

Nach vorne hinten bietet die Schlafkabine die klassische Zweiteilung des Eingang. Bei dieser Zweiteilung kann man den Eingang komplett schließen oder man lässt lediglich das Moskitonetz verschlossen. Die Tür selber kann man von beiden Seiten öffnen bzw. schließen, die Moskitonetzoption hat man jedoch nur von innen.

Je nachdem zu was man sich entscheidet, der Eingang lässt sich wie der Haupteingang sauber und einfach einrollen und an der Seite bzw. in diesem Fall im aufgerollten Zustand unten auf halber Höhe befestigen.

Rechts und links in der Apsis bietet das Vaude Chapel 3 P Fenster die ebenfalls mit Moskitogaze ausgestattet sind. Auch hier kann man bei Bedarf das Fenster bis auf die Moskitogaze durch 2-Wege-Reißverschlüsse öffnen und so an Sommertagen für Belüftung im Zeltinnern sorgen.

Weitere Details

Zu den Klassikern in einer Schlafkabine gehören die seitlichen Organizertaschen in denen Kleinkram wie die Brille, Uhr oder auch nur Dinge verstaut werden können, die sonst nicht ungeordnet im Schlafbereich herumfliegen sollen. Die Möglichkeit durch zwei Schlaufen an der Decke eine Wäscheleine zu spannen haben wir noch nicht beim ersten Blick entdecken können. Not macht bekanntlich erfinderisch, so wird man auch hier wieder irgendwie improvisieren können. Wer weniger an eine Wäscheleine, sondern vielmehr an eine Zeltlaterne denkt, der wird auch hier wohl erst einmal nur die Aufhängeschlaufen des Innenzelts auf der Außenseite verwenden können.

Das Vaude Chapel hat genau einen Eingang, dieser ist jedoch sehr breit und bietet an Sommertagen die Gelegenheit ihn aufzurollen und aus dem Zelt heraus das Etappenende zu genießen. Bei schlechtem Wetter wird der Eingang auf beiden Seiten durch einen Klickverschluss vor unnötigem Öffnen gesichert. Gerade wenn das Zelt stramm gespannt ist, entlastet dies den Reißverschluss am Eingang.

Sicherlich nicht (nur) für den Transport auf einem Fahrrad oder Motorrad vorgesehen ist der Packsack vom Zelt mit einem Rollverschluss ausgestattet. Zum einen bietet der Verschluß die Möglichkeit das Zelt im Beutel gut zu verstauen, andererseits bietet der Rollverschluß auch die ideale Gelegenheit das Zelt auf dem Gepäckträger vor Verrutschen zu sichern.

Weitere Materialdetails

VAUDE BOTH SIDES SILICONIZED

Um 20% erhöhte Lebensdauer – beidseitig 3-fach beschichtet für exzellente UV-Reflektion. 8-fach erhöhte Reißfestigkeit – 8-11 kg Weiterreißfestigkeit im Vergleich zu 1,3 kg bei mit PU beschichteten Geweben. Bestes Abperlverhalten – Wassertropfen perlen einfach ab. Abkleben – Silikonbeschichtete Materialien können nicht nahtbandversiegelt werden (Ausnahme VAUDE Silicone Seam Seal!). Beim Einsatz in regenreichen Regionen empfiehlt sich das manuelle Abdichten der Nähte mit Silicone Seam Sealer.

VAUDE SILICONE SEAMSEAL

Durch Ultra Seam Tech werden zwei Materialien ohne Nadel und Faden dauerhaft miteinander verbunden. Das macht die Nähte der VAUDE Rucksäcke und Radtaschen mit Ultra Seam Tech absolut wasserdicht und erhöht die Zugfestigkeit, da das Material nicht von Nadelstichen perforiert wurde.

Fazit

Wir würden lügen wenn wir behaupten würden, dass wir das Vaude Chapel 3P nicht für die beste Wahl beim Radtrekking halten würden. Als Soloradfahrer wäre es natürlich zu groß und zu schwer, für Touren ab zwei Personen hinterlässt es mit seinen 3,5 kg Gewicht einen überragenden ersten Eindruck.

Der Aufbau geht sehr einfach auch allein, noch einfacher ist es jedoch wenn man zumindestens bei der Apsis zu zweit ist. Gerade wenn man im Regen sein Ziel erreicht, mag man sich nicht lange mit dem Aufbau des Zelts beschäftigen. Das Chapel bietet hier schon den Vorteil, dass man sich nahezu aufrecht auch als großer Mensch mit dem Abpacken der Räder in der Apsis beschäftigen kann. Ein ständiges ins Zelt kriechen entfällt somit. Ob und wie zwei Fahrräder in der großes Apsis hineinpassen, werden wir genauso testen wie auch die übrigen Punkte, die sich zumeist in der Praxis auf Tour ergeben. Im Anschluss an unserer nächsten Radwanderung an Pfingsten werden wir über die ersten Praxiseinsätze des Vaude Chapel noch einmal ausführlich berichten.

Der Bericht zu unserer Erfahrung in der Praxis ist online. Ihr findet den Artikel unter dem nachfolgenden Link und seid herzlich eingeladen über Eure Kommentare dem Zelt selber eine eigene Bewertung abzugeben. => Vaude Chapel 3P auf Tour getestet

4 Responses

  1. Yvonne

    Hallo Zeltkocher Team,

    Gibt es schon Ergebnisse vom Praxistext des Chapel 3p? Wir interessieren uns für das Zelt auch sehr und sind gespannt auf Eure Erfahrungen. Wann gibt es den nächsten Bericht zum Chapel 3p?

    Viele Grüsse vom Bodensee
    Yvonne

    Antworten

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